Update 01.06.2017

In Wenslingen ist wieder ein Hybridrotschwanz aufgetaucht (vgl. Kap. 7.1)! Der Vogel wurde am 30.5. im genau gleichen Revier wie 2013-15 von H. Hersberger entdeckt und konnte am 1.6. gefangen werden. Ist es derselbe? Oder ein F2-Hybride resp. eine Rückkreuzung mit einem Hausrotschwanz? Hier schon mal ein paar unkommentierte Bilder, ein Sonagramm und ein Link zu zwei Tonaufnahmen:

http://www.xeno-canto.org/373273

http://www.xeno-canto.org/373855

Rotschwanz-Hybriden und Mischsänger

Verantwortlich: Nicolas Martinez

 

Inhalt

 

1. Übersicht

 

2. Bestimmung von Gartenrotschwanz-Hausrotschwanz Hybriden

 

3. Mischsänger

 

4. Häufigkeit von Mischsängern und Hybriden

 

5. Phänologie von Hybriden und von Hausrotschwänzen mit Merkmalen östlicher Unterarten

 

6. Beobachtungen von Hybridvögeln (Drittmeldungen)

 

7. Eigene Beobachtungen von Mischsängern und Hybriden

 

7.1. Hybrid-Rotschwanz Wenslingen BL (Schweiz)

 

7.2. Rotschwanz Mischbrut Ziefen BL (Schweiz)

 

7.3. Rotschwanzbrut Therwil BL (Schweiz)

 

7.4. Mischsänger Allschwil BL (Schweiz)

 

8. Quellen

 

9. Dank

 

 

1. Übersicht

 

Garten- und Hausrotschwanz sind nahe verwandte Arten die fertile Nachkommen zeugen können. Solche Hybriden treten gelegentlich auf und erinnern in ihrem Aussehen an östliche Hausrotschwanz-Unterarten. Aus Europa liegen bis 2010 rund 45 dokumentierte Fälle von Hybriden vor (Droz 2011: 39 Fälle bis und mit 2012; aktuellere Fälle siehe Kapitel 6 und 7). Ebenfalls regelmässig festgestellt werden äusserlich normal gefärbte Gartenrotschwänze, die konstant oder alternierend zum eigenen Gesang Hausrotschwanz-Strophen singen („Mischsänger).

 

Neben einer Zusammenstellung der relevanten Unterscheidungsmerkmale von Hybriden und östlichen Hausrotschwänzen (Kapitel 2) finden sich in der Folge Angaben zur Phänologie und zur Häufigkeit von östlichen Hausrotschwänzen, Hybriden und Mischsängern (Kapitel 3-5). In den Kapiteln 6 und 7 stellen wir aktuelle Hybridbeobachtungen zusammen und beschreiben eigene Beobachtungen von Hybriden und Mischsängern im Detail.

 

 

2. Bestimmung von Gartenrotschwanz-Hausrotschwanz Hybriden

 

Männliche F1-Hybriden weisen eine Mischung von Merkmalen beider Arten auf und ähneln dadurch sehr den östlichen Hausrotschwanz-Unterarten Ph. o. phoenicuroides/rufiventris/xerophilus. Hier ein paar Bilder der Unterart Ph. ochruros phoenicuroides aus Kazachstan:

http://www.birds.kz/v2photo.php?l=en&s=017701711&n=1

http://innature.kz/articles.php?article_id=2133

 

Die Unterscheidung wird in verschiedenen Bestimmungsartikeln thematisiert. Die nachfolgenden Angaben basieren auf den folgenden Artikeln sowie eigenen Feldbeobachtungen.

Nicolai et al. 1996 Limicola 10: 1-41

Steijn 2005 Dutch Birding 27: 171-194

Perez-Garcia & Sallent 2011 Revista de Anillamiento 28: 30-35

Petersson et al. 2014 Ornis Svecica 24: 35-40

 

Gegenüber männlichen F1-Hybriden sind weibliche Hybriden kaum bekannt. Dies liegt wohl hauptsächlich daran, dass diese im Feld praktisch unbestimmbar sind (wenn Details der Handschwingen nicht zu sehen sind). Dasselbe gilt für Folgegenerationen von Hybriden. Ohne genetische Untersuchungen sind sie wahrscheinlich in vielen Fällen kaum von einer der beiden Elternarten unterscheidbar.

 

Um männliche F1-Hybriden sicher von Haus- und Gartenrotschwänzen unterscheiden zu können, sind die folgenden Merkmale zentral:

 

Bauchfärbung

 

Beim Gartenrotschwanz sind Brust und Flanken orange/rostfarben (bei samamisicus zum Teil intensiver gefärbt als bei phoenicurus). Die Bauchmitte ist bei beiden Unterarten nicht orange wie die Brust und die Flanken, sondern deutlich aufgehellt und weisslich. Hybriden haben meistens (aber nicht immer!*) ebenfalls eine deutlich aufgehellte (weissliche) Bauchmitte, analog zu einem Gartenrotschwanz. Bei den rotbäuchigen Hausrotschwanz-Unterarten ist der gesamte Bauch tieforange (bei P. o. ochruros ist die Bauchfärbung variabel), der Bereich zwischen den Beinen ist höchstens leicht aufgehellt.

 

* hier ein Beispiel eines Hybriden wo der Bauch praktisch nicht aufgehellt ist:

http://straybirder.blogspot.ch/2015/06/risteymaleppalintu-tricky-redstart.html

 

Abb. 1-6: Bauchfärbung von Gartenrotschwänzen P. p. phoenicurus (Allschwil CH, 19.05.11) und samamisicus (Sakli, Georgien, 19.04.11), einem Hybridvogel (Wenslingen CH, 15.05.11) und Hausrotschwänzen der Unterart ochruros (Demirkazik, Türkei, 15.05.12), semirufus  (Dana, Jordanien, 05.10.11) und gibraltariensis (Reinach CH, 22.11.10). Bilder von Ph. o. phoenicuroides siehe hier:

http://www.pbase.com/dophoto/image/142880714

http://www.wildlife.kg/Phoenicurus%20ochruros/larged.html?0&6

Zudem als Ergänzung noch Bilder von (selten vorkommenden) rotbäuchigen gibraltariensis-Hausrotschwänzen:

http://birdingfrontiers.com/2011/03/24/red-bellied-black-redstarts/

http://www.pbase.com/dophoto/image/39199015

 

Flügelspiegel

 

Hybriden in Westeuropa haben einen (unterschiedlich stark ausgeprägten) Flügelspiegel. Dieser besteht aus weissen Armschwingenrändern und stammt vom Hausrotschwanz-Elternteil (Unterart bei uns gibraltariensis). Die verschiedenen rotbäuchigen Haurotschwanz-Unterarten (ochruros, semirufus, phoenicuroides, rufipes) haben hingegen kein oder kaum Weiss im Flügel*. Die südöstliche Gartenrotschwanz-Unterart samamisicus hat zwar Weiss im Flügel, hier haben jedoch sowohl Arm- als auch die meisten Handschwingen breite weisse Ränder. Der Flügelspiegel ist dem entsprechend zumindest bei adulten Männchen deutlich grösser als bei gibraltariensis-Hausrotschwänzen oder Hybridvögeln.

 

* Gemäss Steijn (2004) haben die östlichen Hausrotschwanz-Unterarten keinen weissen Flügelspiegel. Wie aber bei Ayé et al. (2012) und auch bereits in Glutz von Blotzheim (1988) und Nikolai et al. (1996) beschrieben und bei Letzterem abgebildet, ist dies nicht korrekt: P. o. ochruros kann durchaus Weiss im Flügel haben, vgl. Bilder  5 & 6. Dasselbe gilt auch für phoenicuroides: http://www.pbase.com/dophoto/image/142880713 oder http://www.wildlife.kg/Phoenicurus%20ochruros/larged.html?0&3. Ein deutlicher Flügelspiegel wie bei gibraltariensis ist bei östlichen Hausrotschwänzen jedoch in aller Regel nicht vorhanden.

Abb. 7 & 8: P. o. ochruros mit weissen Schirmfeder- und Armschwingenrändern. Demirkazik, Türkei (15.05.12) und Anauri, Georgien (24.04.11).

 

Abb. 9-13: Gartenrotschwanz der Nominatform ohne Flügelspiegel (Ettingen CH, 04.06.10), P. p. samamisicus mit deutlichen Flügelspiegel bestehend aus breiten weissen Ränden von AS und HS (Anauri, Georgien, 24.04.11), Hybridvogel mit Flügelspiegel bestehend aus weissen AS-Rändern (Wenslingen CH, 15.04.15), sowie Hausrotschwanz P. o. ochruros (Anauri, Georgien, 24.04.11) mit schwachem und gibraltariensis mit deutlichem Flügelspiegel (Reinach CH, 22.11.10). Bild von P. o. phoenicuroides siehe hier: http://www.pbase.com/image/142880709

 

Abb. 14: Ausnahmsweise kann selbst im Frühling bei P. p. phoenicurus ein schwacher Flügelspiegel vorhanden sein. Die Flügelformel sowie die Gesamtfärbung sprechen bei diesem 2KJ-Vogel gegen einen (F1-)Hybriden. Therwil CH, 26.05.2010. Zur Unterscheidung solcher Vögel von Individuen der Unterart samamisicus siehe Small 2009 (http://www.britishbirds.co.uk/wp-content/uploads/article_files/V102/V102_N02/V102_N2_34_47.pdf). Therwil BL, 26.6.2010.

 

Achselfedern und Unterflügeldecken

 

Die Achseln und die Unterflügeldecken beim Gartenrotschwanz sind orange, bei gibraltariensis-Hausrotschwänzen grau oder schwärzlich. Hybriden haben meist komplett orange Unterflügeldecken  (Abb. 16) oder wohl zumindest einzelne orange Federn (Abb. 17). Als Unterscheidungsmerkmal zu östlichen Hausrotschwänzen dient dieses Merkmal jedoch nicht: bereits bei P. o. ochruros sind die Unterflügeldecken oft orange und alle Männchen der Unterarten semirufus und phoenicuroides weisen orange Unterflügeldecken auf (Glutz von Blotzheim 1988, Niklolai et al. 1996).

 

Abb. 15-19: Unterflügeldecken von Gartenrotschwanz (P. p. phoenicurus; Volierenvogel, 15.08.06), zwei Hybridvögeln (Wenslingen CH, 15.04.15; Col de Jaman*) sowie einem Hausrotschwanz  der Unterart gibraltariensis (16.04.2007, Zuzgen CH). * Bild von Valentin Metraux.

Für ein Bild der Unterflügeldecken eines östlichen Hausrotschwanzes siehe hier: http://birdingfrontiers.com/2011/11/21/eastern-black-redstart/

 

 

Flügelformel

 

Flügel von Haus- und Gartenrotschwanz unterscheiden sich in mehreren Massen:  Der Hausrotschwanz hat einen runderen Flügel, vier Handschwingen (HS 3-6, von aussen nach innen gezählt) bilden die Flügelspitze und weisen Einbuchtungen an den Aussenfahnen auf. Dies gilt auch für die Unterart P. o. phoenicuroides, welche ein Langstreckenzieher ist. Der Gartenrotschwanz hat einen relativ spitzen Flügel, die Flügelspitze wird von drei Handschwingen (HS 3-5) gebildet, welche Einbuchtungen an den Aussenfahnen aufweisen. Hybriden liegen in Bezug auf diese Merkmale zwischen den Elternarten. Auf guten Fotos sowie in der Hand bieten Details der Handschwingen daher meist die beste Möglichkeit um Hybriden  von östlichen Hausrotschwänzen unterscheiden zu können. Die relevanten Masse sind:

 

Einbuchtungen an den HS-Aussenfahnen: Beim Hausrotschwanz haben die Aussenfahnen der Handschwingen 3-6 (von aussen gezählt) Einbuchtungen („Emarginations“). Beim Gartenrotschwanz nur die Handschwingen 3-5. Hybriden haben entweder wie der Gartenrotschwanz gar keine Einbuchtung auf HS 6 oder aber die Einbuchtung ist hier weniger deutlich und kürzer.

 

 „HS-Spacing“: Beim Gartenrotschwanz sind die Abstände zwischen den Handschwingenspitzen im geschlossenen Flügel regelmässig. Beim Hausrotschwanz ist der Abstand zwischen HS 6 und HS 7 deutlich grösser als zwischen den anderen sichtbaren Handschwingen. Bei Hybriden ist der Abstand zwischen HS 6 und HS 7 zwar grösser als die anderen Abstände, der Unterschied ist aber nicht so deutlich wie beim Hausrotschwanz. Die relativen Abstände können vermessen werden und liefern in der Regel ein eindeutiges Ergebnis. Voraussetzung dafür ist, dass der Vogel in der Hand vermessen werden kann oder aber dass gute Fotos vorhanden sind, bei welchen die Perspektive nicht zu falschen Rückschlüssen führt!

 

Abb. 20 & 21: Runder Hausrotschwanz-Flügel (16.04.2007, Zuzgen CH) und spitzer Gartenrotschwanz-Flügel (Herbst, Reinach BL CH). Beim Hausrotschwanz haben die HS 3-6 eingebuchtete Aussenfahnen, beim Gartenrotschwanz nur HS 3-5. HS 2 ist beim Hausrotschwanz kürzer  (kürzer als HS 6) als beim Gartenrotschwanz (gleich lang oder länger als HS 6).

 

Quotient zwischen dem Abstand von HS 6 zu HS 7 und HS 5 zu HS 6 gemäss Peterson et al. 2014:

 

Gartenrotschwanz phoenicurus         0.41 – 1.17

Hausrotschwanz gibraltariensis         2.0 – 2.5

Hausrotschwanz phoenicuroides       1.57 – 3.0

Hybriden Haus- x Gartenrotschwanz  0.94 – 2.14

 

Abb. 22 & 23: Flügelformel von Haus- und Gartenrotschwanz (gleiche Ind. wie auf Abb. 20 & 21) und die relevanten Abstände zwischen der 5. & 6. und 6. & 7. Handschwinge. Werte des Quotienten (HS 6-7:5-6) in diesen beiden Beispielen: Hausrotschwanz = 2.5 , Gartenrotschwanz = 0.9.

 

Abb. 24-28: Beispiele für die Quotienten zwischen der 6. & 7. und der 5. & 6. Handschwinge; P. p. phoenicurus (0.7), P. p. samamisicus (0.9), Hybridvogel (1.3), P. o. phoenicuroides (2.7), P. o. gibraltariensis (2.2). Bilder:  Reinach CH, 22.04.09; Sakli, Georgien, 19.04.11; Wenslingen CH, 15.04.15; Kuwait, 01.03.12 (D. Occhiato); Muttenz CH, 13.05.10.

 

Gesang

 

Die Gesänge von Garten- und Hausrotschwanz sind deutlich verschieden und leicht von einander unterscheidbar (siehe auch die nachfolgenden Sonogramme).

 

Die Gesänge von östlichen Hausrotschwänzen entsprechen denen der Unterart gibraltariensis, inklusive dem arttypischen Kratzen (Ayé et al. 2012). Für Hybriden liegen die folgenden Beschriebe des Gesangs vor:

 

5 Ind.                analog Hausrotschwanz (Blattner & Kestenholz 1993, Petersson et al. 2014; eig Beob. aus Wenslingen, Vogel aus Næroset, Norwegen und Ayent VS; siehe Kap. 6)

0 Ind.                 Mischformen sowie typische Hausrotschwanz- und     

                          Gartenrotschwanz-Strophen

1 Ind.                 analog Gartenrotschwanz (Vogel aus Dobro, Spanien; siehe

                          Kap. 6)

 

Tonaufnahmen sowie Sonogramme von singenden Hybriden finden sich im Kapitel 7.

 

 

Gesangsbeispiele von Garten- und Hausrotschwänzen zum Vergleich

Abb. 29: Klassische, dreigeteilte phoenicurus-Gartenrotschwanz-Strophe (Einzelton als Intro mit anschliessendem repetitivem Part gefolgt von einem variablen Abschnitt; Aufnahme aus Bergmann & Helb 2008: Die Stimmen der Vögel Europas).

 

Abb. 30: Klassische, dreigeteilte phoenicurus-Gartenrotschwanz-Strophe. Der variable Abschnitt ist bei dieser Strophe relativ kurz, er kann auch ganz fehlen (Aufnahme aus Bergmann & Helb 2008: Die Stimmen der Vögel Europas).

Abb. 31: Klassische, Hausrotschwanz-Strophe (Intro mit anschliessenden repetitiv widerholten einfachen Pfiffen oder Pfiffkombinationen, unterbrochen durch das Arttypische „Kratzen“ (Aufnahme aus Schulze et al. 2003: Die Vogelstimmen Europas, Nordafrikas und Vorderasiens)

 

Abb. 32: Klassische, Hausrotschwanz-Strophe. Hausrotschwänze machen häufig vor dem Kratzen eine Pause (Aufnahme aus Bergmann & Helb 2008: Die Stimmen der Vögel Europas).

 

Rufe

 

Die normalen (Kontakt-)Rufe von westeuropäischen Garten- und Hausrotschwänzen sind deutlich verschieden und leicht von einander unterscheidbar. Die Rufe von östlichen Hausrotschwänzen entsprechen denen der Unterart gibraltariensis (Ayé et al. 2012). samamisicus-Gartenrotschwänze sowie zumindest vereinzelt auch Vögel der Nominatform aus Asien rufen deutlich anders als westeuropäische P. p. phoenicurus (Ayé et al. 2014). Sonogramme zu allen Rufformen siehe nachfolgende Abbildungen.

 

Abb. 33 & 34: Hausrotschwanz-Rufe: gibraltariensis (28.03.10, Polen, http://www.xeno-canto.org/93490) & phoenicuroides (13.05.13, Mongolei, http://www.xeno-canto.org/149863)

 

Abb. 35 & 36: Gartenrotschwanz-Rufe; phoenicurus aus Westeuropa (17.05.11, Frankreich; www.xeno-canto.org/270190) und samamisicus (17.04.2011, Kojori Georgien; http://www.xeno-canto.org/299416)

 

Für Hybriden liegen die folgenden Beschriebe der Rufe vor:

2 Ind.       analog Hausrotschwanz  (Blattner & Kestenholz 1993; eig. Beob. aus

                Wenslingen)

0 Ind.       Hausrotschwanz- und Gartenrotschwanz-Rufe

1 Ind.       analog Gartenrotschwanz (Petersson et al. 2014)

 

Tonaufnahmen sowie Sonogramme von rufenden Hybriden finden sich im Kapitel 7.

 

 

3. Mischsänger

 

Häufiger als phänotypische Hybriden werden Gartenrotschwanz-Mischsänger beobachtet. Dabei handelt es sich um äusserlich normal gefärbte Gartenrotschwänze, welche jedoch ausschliesslich oder alternierend den Gesang der anderen Art vortragen. Mehrheitlich wird vermutet, dass es sich dabei um „normale“ Gartenrotschwänze handelt, welche einfach den Hausrotschwanzgesang imitieren (was dann, wenn sie erfolgreich ein Hausrotschwanz-Weibchen von sich überzeugen, natürlich zu Hybridnachkommen führen würde). Es könnte aber auch sein, dass es sich bei Mischsängern schon um Hybriden oder, wahrscheinlicher, um Nachkommen von Hybriden handelt. Dafür spricht die Beobachtung eines Mischsängers, welcher eindeutig wie ein Hausrotschwanz rief (siehe Kap. 7.2). Während der Gesang nämlich sowohl aus vererbten als auch erlernten Komponenten besteht, gelten Rufe in der Regel als genetisch fixiert (vgl. z. B. http://ornithology.com/ornithology-lectures/songs-calls/).

 

 

4. Häufigkeit von Mischsängern und Hybriden

 

Mehrfach wurde vermutet, dass Mischsänger und Hybriden häufiger geworden sind (z.B. Blattner & Kestenholz 1993, Nicolai et al. 1996). Ein plausibler Grund könnte der starke Rückgang des Gartenrotschwanzes nach den 1960er Jahren sein. Dadurch könnte eine Situation ähnlich wie bei einer Arealgrenze auftreten, was vermehrt zu Mischbruten führen könnte. Dazu passt, dass die meisten Mischpaare aus Gartenrotschwanz-Männchen und Hausrotschwanz-Weibchen bestehend (Droz 2011). Anderseits vermuten Berthold et al. (1996) und Ertan (2002), dass die beiden Arten bereits früher öfters hybridisierten und dass sogar ein regelmässiger Genfluss zwischen den beiden Arten besteht.

 

In der Folge ein sehr grober (!!!) Versuch, die Häufigkeit von Mischsängern und Hybriden für die Nordwestschweiz und die Schweiz zu quantifizieren:

 

Eigene Beobachtungen aus der Nordwestschweiz: Insgesamt haben wir in den letzten 10 Jahren über > 500 Beobachtungen singender Männchen in der Nordwestschweiz gemacht (Schwerpunkt BL, BS, SO). Diese Beobachtungen dürften deutlich mehr als 200 verschiedenen Individuen entsprechen (Annahme: ca. 100 verschiedene Reviere, jährliche Überlebensrate adulter Gartenrotschwänze von ca. 60%; vgl. Menzel 1971).  Insgesamt haben wir dabei einmal einen Mischsänger festgestellt. Zusätzlich haben wir aus der berücksichtigten Region in diesem Zeitraum von Drittpersonen dreimal von einem Mischsänger und einmal von einem Hybriden erfahren. Bei einer (konservativen) Annahme von 200 gehörten Gartenrotschwanz-Männchen,  1-3 Mischsängern und 0-1 Hybriden, würde der Anteil an Mischsängern zwischen 0.5 und 1.5% liegen, der Anteil an Hybriden zwischen 0 und 0.5%.

 

Mischsänger und Hybriden auf ornitho.ch: Eine Datenabfrage bei www.ornitho.ch für die Jahre 2000-2015 mit den nachfolgenden Suchbegriffen in den Bemerkungen ergab total 29 Treffer (Stand der Abfrage 15.06.2015). Suchbegriffe bei Suchen unter Gartenrotschwanz: «Hybrid», «Misch», «Hausrotschwanz» / «Rougequeue noir». Suchbegriffe bei Suchen unter Hausrotschwanz: «Hybrid», «Misch», «Gartenrotschwanz»  / «front blanc» . Die 29 Treffer lassen sich gemäss den Angaben unter den (nicht überprüften) Bemerkungen der Beobachter wie folgt auftrennen:

Mischsänger (Phänotyp Gartenrotschwanz)    14

Gartenrotschwanz imitiert Hausrotschwanz     5 *

Hybrid                                                               8

Unklar                                                               2

 

* Bei diesen 5 Individuen ist anhand der Angaben nicht klar, ob es sich um echte Mischsänger oder um „normale“ Sänger handelt, welche im variablen dritten Gesangspart den Hausrotschwanz imitieren.

 

 

5. Phänologie von Hybriden und von Hausrotschwänzen mit Merkmalen östlicher Unterarten

 

In Europa werden die meisten Gartenrotschwanz-Hybriden im Frühling festgestellt (78% aller Nachweise entfallen auf die Monate März-Juni, Droz 2011). Anders ist das Auftretensmuster von Hausrotschwänzen mit Merkmalen östlicher Unterarten: Hier entfallen 68% aller Nachweise auf die beiden Monate Oktober und November (www.tarsiger.com).

 

Der Peak bei den Hybriden deckt sich vermutlich mit der Rückkehr aus den Winterquartieren und entspricht der Ankunft von Gartenrotschwänzen im Brutgebiet. Zumindest anhand der vorhandenen Daten scheinen Hybriden nicht deutlich früher zurückzukehren als Gartenrotschwänze. Wo Hybriden überwintern ist bisher komplett unbekannt. Experimente in Volieren lassen jedoch vermuten, dass ihr Zugtrieb intermediär zu dem der beiden Elternarten sein dürfte (Berthold et al. 1996).

 

Der Peak der Nachweise von östlichen Hausrotschwanz-Unterarten (meistens wohl der Langstreckenzieher P. o. phoenicuroides) in Europa korreliert hingegen sehr gut mit den Ankunftsdaten anderer zentralasiatischer Langstreckenzieher-Ausnahmeerscheinungen in Europa. Beispiele hierfür sind Wüstenstein-schmätzer Oenanthe deserti, Thien-Shan Laubsänger Phylloscopus humei und „Steppenraubwürger“ Lanius meridionalis pallidirostris.

Abb. 28: Entdeckungszeitpunkte von Rotschwanz-Hybriden (n= 37) und Hausrotschwänzen mit Merkmalen östlicher Unterarten (n= 34) in Europa. Datengrundlage Hybriden: Droz 2011; Datengrundlage Hausrotschwänzen mit Merkmalen östlicher Unterarten: www.tarsiger.com (Datenabfrage vom 01.01.2016).

 

 

6. Beobachtungen von Hybridvögeln (Drittmeldungen)

 

 

In der Folge findet sich eine chronologische Zusammenstellung von mit Fotos dokumentierten wahrscheinlichen und sicheren Hybrid-Rotschwänzen, die nicht bereits bei Droz (2011) aufgeführt sind.

 

Hinweis: Die Zusammenstellung wird laufend aktualisiert. Falls jemand weitere dokumentiere Hybridbeobachtungen kennt, würden wir uns um eine Meldung freuen!

 

Turku, Finland, 17. Juni 2007: Junge Hybridrotschwänze eines Gartenrotschwanz-Weibchens und eines Hausrotschwanz-Männchens. Da Hausrotschwänze hier selten sind und nie ein Hausrotschwanz-Weibchen beobachtet wurde (T. Lindroos, mündl.), ist eine Hybridisierung praktisch sicher. Weitere grossartige Bilder (auch von vielen anderen Arten) gibts hier: www.tomlindroos.1g.fi.

 

 

Tampere, Finland, 10. Juli 2007: Mischbrut Gartenrotschwanz-Männchen x Hausrotschwanz-Weibchen.

http://www.tarsiger.com/gallery/index.php?pic_id=muu1186744525&lang=eng

 

Dobro, Spanien, 2009 und 2010: wahrscheinliches Hybrid-Männchen

http://molinodelcanto.com/hybrid-common-redstart-x-black-redstart/

 

Hilchenbach DE, Frühling 2012: Hybrid-Männchen, zieht Junge mit einem Hausrotschwanz-Weibchen auf. Details und Bilder auf http://nwo-avi.com/blog/?page_id=2792

 

Næroset, Norwegen, Frühling 2013: wahrscheinliches Hybrid-Männchen

http://oslobirder.blogspot.ch/2013/06/hybrid-black-redstart-x-common-redstart.html

 

Liste, Norwegen, 18.09.2013: Hybrid Gartenrotschwanz-Braunkehlchen;
kein Hausrotschwanz-Gartenrotschwanz-Hybrid, aber ein einzigartiger Vogel, der wir hier nicht vergessen möchten! http://sciencenordic.com/mysterious-bird-was-unique-cross-two-unrelated-species

 

Uusikaupunki, Finnland, 13. - 24. Mai 2014: Hybrid-Männchen, 2 KJ.

http://www.tarsiger.com/gallery/index.php?pic_id=alho1400003444&lang=enghttp://tomlindroos.1g.fi/kuvat/Linnut+-+Birds/64+Rastaat,+Taskut,+Thrushes,+Chats,+Turdidae/12+Mustalepp%C3%A4lintu,+Black+Redstart,+Phoenicurus+ochruros/PhoochxPhopho+140524+Finland,+Uusikaupunki+EA6F2468.jpg

 

Malaga, Spanien, 13.01.2015: Mögliches Hybrid-Männchen (oder aberrant gefärbter Hausrotschwanz)

http://birdspain.blogspot.ch/2015/01/presumed-hybrid-phoenicurus-ochruros-x.html

 

Les Fénis VS, CH, 9. April 2015: Wahrscheinliches Hybrid-Männchen. Bilder auf www.ornitho.ch. Direktlink: http://www.ornitho.ch/index.php?m_id=54&backlink=skip&mid=327042

 

Ayent VS, CH, Mai 2015: Wahrscheinliches Hybrid-Männchen. Bilder auf www.ornitho.ch. Direktlink: http://www.ornitho.ch/index.php?m_id=54&id=9901920

 

Jokioinen, Finnland, 16. Juni 2015: Hybrid-Männchen

http://straybirder.blogspot.ch/2015/06/risteymaleppalintu-tricky-redstart.html

 

Wroclaw, Polen, 22. April 2016: Wahrscheinliches Hybrid-Männchen. Bilder auf Facebook (Birding Poland). Direktlink:

https://www.facebook.com/BirdingPoland/posts/984649618309097

 

7. Eigene Beobachtungen von Mischsängern und Hybriden

 

In der Folge finden sich ausführliche Dokumentationen von Mischsängern und Hybriden, die wir in den letzten Jahren selber beobachtet haben.

 

7.1. Hybrid-Rotschwanz Wenslingen BL (Schweiz)

 

Beobachtungen

-        2013: Entdeckt durch H. Hersberger (22.04.13) und in der Folge nochmals am 08.06.13 beobachtet

-        2014: Wiedergefunden durch H. Hersberger (29.04.14) und in der Folge nochmals am 02.06.14 beobachtet. Fotobelege erstellt.

-        2015: Wiedergefunden durch N. Martinez (15.04.2015), in der Folge durch H. Hersberger am 16.04.15 und 07.05.15 beobachtet. Fotobelege und Tonaufnahmen erstellt.

 

Beschrieb

Phänotyp:

-        Phänotypisch ein "typischer" Rotschwanz-Hybrid

-        Weisser Flügelspiegel bestehend aus weissen Rändern der Armschwingen, gegen Basis breiter, werdend. Vergleichbar mit ad Hausrotschwanz Männchen, jedoch weniger deutlich.

-        Schwärzlicher Rücken und Mantel und Oberkopf

-        Kontrast Oberkopf – Kehllatz intermediär im Vergleich zu Garten- und Hausrotschwanz

-        Stirn hellgrau, nicht gleich scharf abgegrenzt wie Gartenrotschwanz

-        Kehllatz tiefschwarz, weit nach unten reichend, auf der Seite bis auf die Höhe der Achseln schwarz

-        Starke Rotfärbung auf Brust und Bauch und aufgehellte Stelle zwischen den Beinen, Rotfärbung selber aber nicht intensiver wirkend als bei Gartenrotschwanz

-        Achselfedern und Unterflügeldecken orange

-        Beinfedern beige

-        HS-Spacing 6/7:5/6 = 1.3 (-> pro Hybrid)

-        Nicht gesehen: Emargination der HS

 

Rufe:

-        Rufe: Hausrotschwanz-ähnlich; gleichbleibend hohe Rufe, „tschak“-Rufe und Aggressionsrufe (keine Aufnahmen vorhanden)

-        Reaktion: scheint auf Haus- und Gartenrotschwanz-Rufe zu reagieren

 

Gesang:

-        Gesang: weitgehend analog Hausrotschwanz, keine Mischformen oder Gartenrotschwanz-ähnliche Strophen gehört

-        Reaktion: scheint auf Haus- und Gartenrotschwanz-Gesang zu reagieren

 

Abb. 29 & 30: Hybridrotschwanz 2014. Aufnahmen: H.Hersberger, 02.06.2014.

 

Abb. 31: Hybridrotschwanz 2015 (Aufnahmen: NM, 15.04.2015).

 

Abb. 32: Hybridrotschwanz. Das Handschwingen-Spacing ist typisch für einen Hybriden (Aufnahmen: NM, 15.04.2015).

 

Abb. 33:  Strophe, bestehend aus einem typischen HAR-Beginn und einem Triller (Aufnahme: 15.4.15, http://www.xeno-canto.org/305979)

Abb. 34:  Strophe, bei der das Intro aus einem Kratzen besteht  (Aufnahme:  15.4.15, http://www.xeno-canto.org/305981)

Abb. 35:  Strophe mit integriertem Kratzen analog HAR (Aufnahme: 15.4.15, http://www.xeno-canto.org/305982)

Abb. 36:  Strophe mit integriertem Kratzen analog HAR. Gesangsstruktur idenisch mit HAR-Strophe auf Abb. 3 (Aufnahme: 15.4.15, http://www.xeno-canto.org/305983)

 

7.2. Rotschwanz Mischbrut Ziefen BL (Schweiz)

 

Beobachtungen 2014

-        2014: Entdeckt durch S. Hohl (03.05.2014). Mehrfach beobachtet durch S. Hohl, 1 x mit N. Martinez (15.05.2014). Wahrscheinlich unverpaart.

 

Beobachtungen 2015

-        Entdeckt durch A. Fasolin. Mehrfach beobachtet durch A. Fasolin und I. Wennberg

-        Tonaufnahmen des Gesangs und der Rufe (1x) erstellt, Bilder & Videobelege.

-        Verpaart mit phänotypischem Hausrotschwanz-Weibchen, ziehen zwei erfolgreiche Bruten auf

-        Erstbrut: 5 Junge, Ausflugsdatum unbekannt

-        Zweitbrut: Nestbaubeginn 19.06.15, Anzahl Junge und Ausflugsdatum unbekannt, Eischalen weiss

-        Beide Bruten in selben Storenkasten auf einem Balkon

-        Kotproben der Jungen (Erst- und Zweitbrut) gesammelt für genetische Analysen, Analysen jedoch nicht erfolgreich

 

Beschrieb Männchen 2014

Phänotyp :

-        phänotypisch ein ganz normales Gartenrotschwanz-M, wahrscheinlich 2KJ (bräunliche HS, hellbraune Ränder auf den AS, HS und wohl auch den GD)

-        kein Weiss im Flügel (ungleich Hausrotschwanz oder samamisicus-Gartenrotschwanz)

-        eher dunkler Rücken

-        starke Rotfärbung auf Brust und Bauch (kaum aufgehellt zwischen den Beinen), Farbe selber aber nicht intensiver wirkend als bei anderen Gartenrotschwänzen

-        nicht gesehen: HS-Projektion, Emargination der HS, Achselfedern

 

Rufe

-        15.05.: 2 Rufreihen gehört. Klingt wie Hausrotschwanz-Rufe („hiit – tschak“) und nicht wie Gartenrotschwanz

-        Reaktion: scheint auf Haus- und Gartenrotschwanz-Rufe zu reagieren

 

Gesang:

-        Gesang: z.T. 100% Gartenrotschwanz, z.T. 100% Hausrotschwanz sowie diverse Mischformen

-          Reaktion: scheint auf Haus- und Gartenrotschwanz-Gesang zu reagieren

 

Beschrieb Männchen 2015

Phänotyp:

-        phänotypisch ein ganz normales Gartenrotschwanz-M, Adultvogel (GD mit weissen Seitenrändern, nur Spitzen bräunlich), vgl. Abb.14

-        beige AS-Ränder, aber nicht wirklich Weiss im Flügel (ungleich Hausrotschwanz oder samamisicus-Gartenrotschwanz). Frisch vermauserte AS Ende Juli ebenfalls ohne auffallend helle Ränder (vgl. Abb. 15).

-        eher dunkler Rücken

-        HS-Spacing: Wert = 0.75 (-> pro Gartenrotschwanz)

-        Einbuchtungen auf den HS 3, 4, 5, keine Einbuchtungen auf HS 6 (-> pro Gartenrotschwanz)

 

Rufe

-        1 Einzelruf im vorhandenen Video: Identisch Hausrotschwanz-Ruf („hiit“) und nicht wie Gartenrotschwanz, Tonhöhe ebenfalls analog Hausrotschwanz. Da Rufe generell als genetisch fixiert gelten (anders als der Gesang), könnte dies auf einen Hausrotschwanz-Einfluss (Hybride) deuten.

 

Gesang:

-        Gesang meistens Mischformen

 

Beschrieb Weibchen 2015

Phänotyp:

-        phänotypisch ein ganz normales Hausrotschwanz-Weibchen

 

Rufe

-        Typische HAR-Rufe („hiit“)

 

Beschrieb Jungvögel 2015

Phänotyp Jungvögel Erstbrut:

-        phänotypisch ganz normale Hausrotschwanz-Junge.

 

Rufe

-        Typische Hausrotschwanz-Bettelrufe („zi-trr“).

 

Abb. 37: Fütterndes Männchen. GD mit grauen Seitenrändern (-> AD). AS mit beigen Rändern. Die Färbung der Jungvögel entspricht typischen Hausrotschwanz-Jungen (Aufnahme A. Fasolin).

Abb. 38: Männchen beim Füttern der Zweitbrut (und bereits am mausern). GD mit grauen Seitenrändern (-> adult). Frische AS ohne weisse Ränder. Das Handschwingen-Spacing (Wert= 0.75) ist typisch für einen Gartenrotschwanz (Aufnahme A. Fasolin).

Abb. 39 & 40: Männchen. Emarginations auf den HS 3, 4 und 5. Keine Emargination auf HS 6 (-> pro Gartenrotschwanz; Aufnahmen A. Fasolin).

Abb. 41 & 42: Weibchen und Jungvögel. Von der Färbung her typische Hausrotschwänze, Aufnahmen A. Fasolin).

Abb. 43 & 44: Gartenrotschwanz-Jungvogel und Hausrotschwanz-Jungvogel zum Vergleich.

Abb. 45: „Klassische GAR-Strophe“. Zwischen Intro und „repetitivem Teil“ ist ein Zwischenpfiff eingeschoben (Aufnahme S. Hohl, 3.5.14, http://www.xeno-canto.org/306000).

Abb. 46: „Klassische Gartenrotschwanz-Strophe“. Zwischen Intro und „repetitivem Teil“ ist kein Zwischenpfiff eingeschoben, der variable Part fehlt (Aufnahme S. Hohl, 3.5.14, http://www.xeno-canto.org/306002).

Abb. 47: „Klassische Gartenrotschwanz-Strophe“ analog Abb. 4. Zwischen Intro und „repetitivem Teil“ ist kein Zwischenpfiff eingeschoben, der variable Part fehlt (Aufnahme: NM, 15.5.14, http://www.xeno-canto.org/305995).

Abb. 48: „Klassische Gartenrotschwanz-Strophe“ (Aufnahme S.Hohl, 3.5.14, http://www.xeno-canto.org/306002).

Abb. 49:  Strophe, bei der das Intro aus einer Mischung zwischen Kratzen und Pfiff besteht  (Aufnahme: S.Hohl, 3.5.14, http://www.xeno-canto.org/306000).

Abb. 50:  Strophe, bei der das Intro aus einem Kratzen besteht  (Aufnahme: S. Hohl, 3.5.14, http://www.xeno-canto.org/306000).

Abb. 51:  Strophe mit integriertem Kratzen analog Hausrotschwanz  (Aufnahme: S. Hohl, 3.5.14, http://www.xeno-canto.org/306000).

Abb. 52:  Strophe mit integriertem Kratzen analog Hausrotschwanz. Ein Gartenrotschwanz-ähnliches Intro fehlt resp. ist durch drei Doppeltöne ersetzt. Eine Pause vor dem Kratzen fehlt (Aufnahme: S. Hohl, 3.5.14, http://www.xeno-canto.org/306000).

Abb. 53:  Strophe mit integriertem Kratzen analog Hausrotschwanz. Gesangsstruktur identisch mit einer typischen Hausrotschwanz-Strophe. (Aufnahme: S. Hohl, 10.5.14, http://www.xeno-canto.org/306010).

Abb. 54: Männchen 2015, Ruf (Video-Aufnahme A. Fasolin, http://www.xeno-canto.org/306014).

Abb. 55: Weibchen 2015, Ruf (Aufnahme A. Fasolin, http://www.xeno-canto.org/306017).

Abb. 56: Jungvogel Erstbrut 2015 Ruf (Aufnahme A. Fasolin, http://www.xeno-canto.org/306021).

Abb. 57: Zum Vergleich Sonogramme von Jungvogel-Rufen von Haus- und Gartenrotschwanz (Glutz von Blotzheim 1988, https://www.youtube.com/watch?v=O3sIahj2wcs).

 

7.3. Rotschwanzbrut Therwil BL (Schweiz)

 

Beobachtungen 2011

 

-        Am 14.05.2011 wird von N. Martinez ein mehrfach fütterndes Gartenrotschwanz-Männchen beobachtet. Das Nest mit 2 rund 10 Tagen alten Jungen befindet sich im inneren eines Stalles frei auf einem Balken. Die jungen entsprechen äusserlich Hausrotschwänzen, im Nest befindet sich noch ein taubes, weissschaliges Ei. Ein Weibchen ist zu keinem Zeitpunkt zu sehen. Aufgrund der Eifärbung und der Jungen kann davon ausgegangen werden, dass es sich um ein Hausrotschwanz-Weibchen handelt.

-        Am 15.05.2011 ist das Männchen nicht mehr anwesend, im Nest befindet sich ein totes Jungtier.

-        Ei und Jungtier werden in der Folge aufbewahrt.

 

Beschrieb Männchen

-        Typischer Gartenrotschwanz. Fotoqualität und Dauer der Beobachtung lassen keine weiteren Rückschlüsse zu.

 

Beschrieb der Jungvögel (Pulli)

-        Oberseite dunkelbraun, ungestrichelt

-        Brust dunkelbraun, undeutlich und unauffällig gestrichelt

-        Bauch deutlich aufgehellt orange-gelblich, ohne klare Strichel

-        Typischer rostroter Rotschwanz-Schwanz, Bürzel und Unterschwanzdecken

-     Flügel: Da die Federn noch nicht ausgewachsen sind, sind die Abstandsverhältnisse nicht aussagekräftig. Die Einbuchtungen sind ebenfalls noch nicht fertig ausgeprägt.

-     Phänotypisch "normale" Hausrotschwanz-Junge

 

Beschrieb Ei

-        Weiss, die leicht bräunliche Sprenkelung ist durch Verschmutzung bedingt

-        Masse: 19.4 x 14.4 mm. Vergleichswerte: Mittelwert Gartenrotschwanz = 18.5 x 14.0 mm (versch. in Menzel 1971 erwähnte Quellen) und Hausrotschwanz = 19.86 x 14.62 mm (Glutz von Blotzheim 1988).

-      Typisches Hausrotschwanz-Ei

 

Abb. 58: Gartenrotschwanz-Männchen mit Futter.

Abb. 59: Rotschwanz-Nest mit zwei Jungvögeln.

Abb. 60: taubes Rotschwanz-Ei mit weisslicher Schale analog einem Hausrotschwanz. Die rötlichen Flecken beruhen auf Verschmutzungen.

Abb. 61-63: Gartenrotschwanz-Jungvogel, einer der Jungvögel aus dem Nest in Therwil und Hausrotschwanz-Jungvogel (von links nach rechts).

Abb. 64-66: Bauchansicht der Therwiler Jungvögel und eines Gartenrotschwanz-Jungen (rechts) zum Vergleich.

Abb. 67: Handschwingen eines der Jungvögel. Da die Federn noch nicht ausgewachsn sind, sind die Abstandsverhältnisse nicht aussagekräftig. Die Einbuchtungen sind ebenfalls noch nicht fertig ausgeprägt.

 

7.4. Mischsänger Allschwil BL (Schweiz)

 

Beobachtung

-        Am 12.05.2010 bemerkt N. Martinez einen Gartenrotschwanz, der regelmässig kratzende Hausrotschwanz-Gesangselemente vorträgt.

 -       Während der mehrminütigen Beobachtung singt der Vogel ununterbrochen. Meistens handelt es sich um normale Gartenrotschwanz-Strophen, vereinzelt werden jedoch Mischstrophen oder gesamte Hausrotschwanz-Strophen geäussert.

 -        Phänotypisch entspricht der Vogel einem normalen Gartenrotschwanz

 -        Fotos und Tondokumente sind keine vorhanden

 -        Auf späteren Exkursionen ist der Vogel nicht mehr zu finden

 -        Habitat: Obstgarten (typisches Gartenrotschwanz-Habitat; in der unmittelbaren Umgebung befinden sich weitere Gartenrotschwanz-Reviere)

 

7.5. Mischsänger Laufen BL (Schweiz)

 

 

Beobachtung

 

-        Am 17.04.2016 entdecken T. Walser und J. Borer einen Gartenrotschwanz-Mischsänger.

 

-        Der Vogel ist auch am 20.04. und 3.5. am selben Ort anwesend und praktisch pausenlos am singen (NM) à unverpaart?

 

-        Mehrfach werden aggressive Interaktionen mit Hausrotschwänzen beobachtet.

 

-        Habitat: Villenquartier, typisches HAR-Habitat, für GAR aber durchaus auch denkbar

 

 

Beschrieb

 

Phänotyp:

 

-        phänotypisch ein ganz normales Gartenrotschwanz-M, wahrscheinlich 2KJ (bräunliche HS, hellbraune Ränder auf den AS, HS)

 

-        kein Weiss im Flügel (ungleich Hausrotschwanz oder samamisicus-Gartenrotschwanz)

 

-        nicht gesehen: HS-Projektion, Emargination der HS, Achselfedern

 

 

Rufe

 

-        03.05.: 2 Rufreihen gehört. Klingt wie Gartenrotschwanz-Rufe („huit – tschak-tschak“) und nicht wieHausrotschwanz („hit-tschak“)

 

-        Reaktion: reagiert weder auf Hausrotschwanz noch Gartenrotschwanz-Rufe (Playback), mehrfach jedoch Aggressionen mit Hausrotschwänzen beobachtet

 

 

Gesang:

 

-        Gesang: zu über 90% wie Hausrotschwanz-Kurzversion (Teil bis zum Kratzen, ohne Kratzen), Hausrotschwanz-Strophen mit Kratzen am 20.4. innert ca. 30 min 2 x, am 3.5. innert 10 min. ca. 3x vernommen. Gartenrotschwanz-ähnliche Strophen nur am 20.4. gehört (2-3), dort aber Anfangspfiff nicht Gartenrotschwanz-typisch (u.a. 1x Hausrotschwanz-Ruf), Mischformen nicht bemerkt/gehört.

 

-        Reaktion: reagiert weder auf Hausrotschwanz- noch Gartenrotschwanz-Gesang (Playback)

 

 

Tonaufnahme & Sonogramm:

http://www.xeno-canto.org/328197

Gartenrotschwanz-Mischsänger, Laufen BL. 20. April 2016.
Gartenrotschwanz-Mischsänger, Laufen BL. 20. April 2016.

 

8. Quellen

 

Ayé, R.; Schweizer, M.; Roth, T., 2012: The Birds of Central Asia. Helm Field Guides.

 

Ayé, R.; Martinez, N.; Stalling, T., 2014: The vocalisations of „Ehrenberg’s Redstart“. British Birds 107: 26-36.

 

Berthold, P., 1996: Control of bird migration. Chapman & Hall.

 

Blattner, M.; Kestenholz, M., 1993: Brut eines wahrscheinlichen Hybriden Haus- x Gartenrotschwanz Phoenicurus ochruros x P. phoenicurus in der Schweiz. Ornithol. Beob. 90: 241-245.

 

Droz, B., 2011: Capture d’un Rougequeue hybride Phoenicurus ochruros x Ph. phoenicurus au Col de Jaman (VD, Suisse). Nos Oiseaux 58: 185-191.

 

Ertan, K. T., 2002: Evolutionary Biology oft he genus Phoenicurus. Phylogeography, natural hybridisation and population dynamics. Tectum Verlag, Marburg.

 

Glutz von Blotzheim, U. N., 1988: Handbuch der Vögel Mitteleuropas Band 11/1. Aula Verlag Wiesbaden.

 

Menzel, H., 1971: Der Gartenrotschwanz Phoenicurus phoenicurus. Neue Brehm Bücherei Nr. 438,

 

A. Ziemsen Verlag. Wittenberg Lutherstadt.

 

Nicolai, B.; Schmidt, Ch.; Schmidt, F-U., 1996: Gefiedermerkmale, Masse und Alterskennzeichen des Hausrotschwanzes Phoenicurus ochruros. Limicola 10: 1-41

 

Perez-Garcia, J.M.; Sallent, A., 2011: Identificacion de hibridos en el Campo: El caso del anillamiento de un hibrido de Colirrojo tizon (Phoenicurus ochruros) y Colirrojo real (Phoenicurus phoenicurus) en el P. N. del Archipielago de Cabrera. Revista de Anillamiento 28: 30-35

 

Petersson A. ; Bergner, A.; Thorin, M.,2014: A hybrid Common Redstart x Black Redstart (Phoenicurus phoenicurus x P. ochruros) breeding in southeastern Sweden. Ornis Svecica 24: 35-40.

 

Small, B.J., 2009: The identification of „Ehrenberg’s Redstart, with comments on British claims. British Birds 102: 84-97.

 

Steijn, L.B., 2005: Eastern Black Redstarts at IJmuiden, the Netherlands, and on Guernsey, Channel Islands, in October 2003, and their identification, distribution and taxonomy. Dutch Birding 27: 171-194

 

9. Dank

 

Vielen Dank an die folgenden Personen. Sie haben uns Hybriden und Mischsänger gemeldet, uns Bilder zur Verfügung gestellt und uns wertvolle Rückmeldungen gegeben!

 

Sylvain Antoniazza

Arnaud Barras

Tabea Bösch

Boris Droz

André Fasolin

Heinz Hersberger

Tom Lindroos

Manuel Schweizer

Iago Wennberg

 

 

 

März 2016, Update Dezember 2016

Nicolas Martinez