Rotschwanz-Hybriden und Mischsänger

Nicolas Martinez & Vincent van der Spek

 

Inhalt

 

1. Übersicht

 

2. Bestimmung von Gartenrotschwanz-Hausrotschwanz Hybriden (Gefiedermerkmale,- masse)

 

3. Östliche Hausrotschwänze und Gartenrotschwanz-Hausrotschwanz Hybriden

 

4. Häufigkeit von Hybridvögeln und Mischsängern

 

5. Beobachtungen von Hybridvögeln (Drittmeldungen)

 

5.1. Tabelle aus Martinez et al. inkl. Links

 

5. 2. Update mit neuen Meldungen

 

6. Eigene Beobachtungen von Mischsängern und Hybriden

 

6.1. Hybrid-Rotschwänze Wenslingen BL (Schweiz)

 

6.2. Rotschwanz Mischbrut Ziefen BL (Schweiz)

 

6.3. Rotschwanzbrut Therwil BL (Schweiz)

 

6.4. Mischsänger Allschwil BL (Schweiz)

 

6.5. Mischsänger Laufen BL (Schweiz)

 

7. Quellen

 

8. Dank

 

 

 

 

1. Übersicht

 

Garten- und Hausrotschwanz sind nahe verwandte Arten die fertile Nachkommen zeugen können. Solche Hybriden treten gelegentlich auf und erinnern in ihrem Aussehen an östliche Hausrotschwanz-Unterarten. Aus Europa liegen bis 2017 etwas über 120 dokumentierte Fälle von Hybriden vor. Ebenfalls regelmässig festgestellt werden äusserlich normal gefärbte Gartenrotschwänze, die konstant oder alternierend zum eigenen Gesang Hausrotschwanz-Strophen singen („Mischsänger").

 

 

In zwei Publikationen haben wir diese Themen im Detail beleuchtet:

 

van der Spek & Martinez 2018 Dutch Birding: In dieser Arbeit legen wir den Fokus auf die Unterscheidung von Hybriden und östlichen Hausrotschwänzen. Die Publikation kann hier heruntergeladen werden. Zusätzlich präsentieren wird im Kapitel 2 zuerst ein paar allgemeine Merkmale eines Rotschwanz-Hybriden im Vergleich zu „normalen“ Garten- und Hausrotschwänzen. Danach geht’s wieder in die Abgründe der Bestimmungskniffe...im Kapitel 3 beschäftigen wir uns mit der (schwierigeren) Unterscheidung von Hybriden und östlichen Hausrotschwänzen. Hier finden sich verschiedene Ergänzungen zur Publikation und Beispiele für die in der Publikation diskutierten Merkmale.

 

Hinweis: Praktisch dieselbe Zusammenstellung findet sich auf Englisch auch auf www.turnstones.org! (übrigens generell eine superspannende Seite!!!)

 

 

Martinez, Nicolai & van der Spek 2018 in prep.:  In dieser Arbeit haben wir das Phänomen der Gartenrotschwanz-Hybriden (inklusive Mischsänger) im Details untersucht. Dabei standen die folgenden Fragen im Fokus: Wie variabel sind Hybriden gefärbt? Wie singen und rufen sie? Wann und wo werden sie beobachtet?  Wann kommt es zu Mischbruten? ... Die Publikation ist eingereicht, wir hoffen, dass sie in Bälde akzeptiert und dann publiziert wird. Sobald dies der Fall ist, wird man sie hier heruntergeladen können. Zusätzlich werden wir in den Kapiteln 4  & 5 detailliertere Angaben zu den für die Publikation zusammengetragenen Hybriden und Mischbuten anbieten und neuere Beobachtungen auflisten.

 

 

Im Kapitel 6 werden schliesslich von uns beobachtete Hybriden und Mischsänger im Detail besprochen und mit vielen Bildern und Rufaufnahmen illustriert.

 

 

Hier gehts zum Artikel aus Dutch Birding:

van der Spek&Martinez 2018 DB.pdf
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2. Bestimmung von Gartenrotschwanz-Hausrotschwanz Hybriden

 

Männliche F1-Hybriden weisen eine Mischung von Merkmalen beider Arten auf. Dadurch können sie in aller Regel im Feld gut bestimmt werden. Gegenüber männlichen F1-Hybriden sind weibliche Hybriden nur aus Gefangenschaft bekannt. Dies liegt wohl hauptsächlich daran, dass diese im Feld praktisch unbestimmbar sind (wenn Details der Handschwingen nicht zu sehen sind). Dasselbe gilt für Folgegenerationen von Hybriden. Ohne genetische Untersuchungen sind sie wahrscheinlich in vielen Fällen kaum von einer der beiden Elternarten unterscheidbar.

 

Um in Westeuropa männliche F1-Hybriden sicher von Haus- und Gartenrotschwänzen unterscheiden zu können, sind die folgenden Merkmale zentral:

 

 

Brustlatz

 

Beim Gartenrotschwanz ist der schwarze Kehllatz in der Regel auf die Kehle beschränkt, halbrund und scharf von der orangeroten Brust abgegrenzt. Europäische Hausrotschwänze haben (in aller Regel) kein Rot an Bauch  und Brust. Männliche Hybriden haben einen schwarzen Kehl-/Brustlatz, der in Form und Ausdehnung extrem variabel ist. Bei allen uns bekannten Hybriden ist der Kehllatz aber auf jeden Fall deutlich ausgedehnter als bei normalen Gartenrotschwanz-Männchen.

 

Abbildung 1: Gartenrotschwanz, Hybrid-Rotschwanz und Hausrotschwanz (alles adulte Männchen im Frühling). Der Brustlatz ist beim Hybriden deutlich ausgedehnter als beim Gartenrotschwanz.

 

Weisses Flügelfeld

 

Gartenrotschwänze der Nominatform (P. p. phoenicurus) haben keinen weissen Flügelspiegel (allenfalls können aber helle Federsäume vorhanden sein, vgl. Abb. 3!). Hybriden in Westeuropa haben oftmals einen (unterschiedlich stark ausgeprägten) Flügelspiegel. Dieser besteht aus weissen Armschwingenrändern und stammt vom Hausrotschwanz-Elternteil (Unterart bei uns gibraltariensis). Beachte aber, dass  - wie beim Hausrotschwanz – ein weisser Flügelspiegel erst nach der Mauser ins Adultkleid vorhanden ist!

 

 

Abbildung 2: Gartenrotschwanz der Nominatform ohne Flügelspiegel (Ettingen CH, 04.06.10), Hybridvogel mit Flügelspiegel bestehend aus weissen AS-Rändern (Wenslingen CH, 15.04.15), sowie adultes Hausrotschwanz Männchen (P. o. gibraltariensis) mit sehr deutlichem Flügelspiegel (Reinach CH, 22.11.10).

 

Abbildung 3: Ausnahmsweise kann selbst im Frühling bei P. p. phoenicurus ein schwacher Flügelspiegel vorhanden sein. Die Flügelformel sowie die Gesamtfärbung sprechen bei diesem 2KJ-Vogel gegen einen (F1-)Hybriden. Therwil CH, 26.05.2010. Zur Unterscheidung solcher Vögel von Individuen der Unterart samamisicus siehe Small 2009 (http://www.britishbirds.co.uk/wp-content/uploads/article_files/V102/V102_N02/V102_N2_34_47.pdf). Therwil BL, 26.6.2010.

Bauchfärbung 

 

Die meisten Hybriden haben einen deutlich orangerot gefärbten Bauch. Nur bei einer Minderheit der Vögel (>10% und wohl immer 2KJ-Männchen) ist der Bauch sehr blass graubeige gefärbt und hat höchsten seinen schwachen Hauch von orange. Im Vergleich zu (adulten) Hausrotschwanz-Männchen ist aber auch dies auffallend.

 

Abbildung 4: Bauchfärbung von verschiedenen Gartenrotschwänzen (UA P. p. phoenicurus) aus dem Frühling. Beachte, dass die orangerote Färbung auf Bauch und Brust oft in der Bauchmitte durch einen hellen Bereich unterbrochen ist. Dieses Bauchband kann sich wie beim Vogel links weit (bis zur Brust) nach oben ziehen und den Bauch in „zwei Bereiche aufteilen“. 

 

Abbildung 5: Bauchfärbung eines Gartenrotschwanz-Hybriden. Dieser kräftig gefärbte Vogel hat nur einen kleinen aufgehellten Bereich, bei anderen Hybriden ist sehr viel mehr Weiss vorhanden. Wenslingen CH, 01.06.2017.

 

Abbildung 6: Ein Beispiel eines Hybriden mit nur sehr schwach orange gefärbtem Bauch. Ayent CH, 13.05.2015 (A. Barras).

 

 

Zudem als Ergänzung noch Bilder von (sehr selten vorkommenden) rotbäuchigen gibraltariensis-Hausrotschwänzen:

http://birdingfrontiers.com/2011/03/24/red-bellied-black-redstarts/

http://www.pbase.com/dophoto/image/39199015

Abbildung 7: Rotbäuchiges Hausrotschwanz Männchen. Subiger Berg , Herbst 2004 (T. Schwaller). Hier handelt es sich vermutlich ebenfalls um einen "normalen" Hausrostchwanz und nicht um einen Hybriden.

 

Achselfedern und Unterflügeldecken

 

Die Achseln und die Unterflügeldecken beim Gartenrotschwanz sind orange, bei gibraltariensis-Hausrotschwänzen grau oder schwärzlich. Hybriden haben meist komplett orange Unterflügeldecken oder wohl zumindest einzelne orange Federn.

 

 

Abbildung 8: Unterflügeldecken von Gartenrotschwanz, einem Hybriden (Wenslingen CH, 2017) sowie einem gibraltariensis-Hausrotschwanz (alles adulte Männchen).

 

Flügelformel

 

Flügel von Haus- und Gartenrotschwanz unterscheiden sich in mehreren Massen:  Der Hausrotschwanz hat einen runderen Flügel, vier Handschwingen (HS 3-6, von aussen nach innen gezählt) bilden die Flügelspitze und weisen Einbuchtungen an den Aussenfahnen auf. Dies gilt auch für die Unterart P. o. phoenicuroides, welche ein Langstreckenzieher ist. Der Gartenrotschwanz hat einen relativ spitzen Flügel, die Flügelspitze wird von drei Handschwingen (HS 3-5) gebildet, welche Einbuchtungen an den Aussenfahnen aufweisen. Hybriden liegen in Bezug auf diese Merkmale zwischen den Elternarten. Auf guten Fotos sowie in der Hand bieten Details der Handschwingen daher meist die beste Möglichkeit um Hybriden  von östlichen Hausrotschwänzen unterscheiden zu können. Die relevanten Masse sind:

 

Einbuchtungen an den HS-Aussenfahnen: Beim Hausrotschwanz haben die Aussenfahnen der Handschwingen 3-6 (von aussen gezählt) Einbuchtungen („Emarginations“). Beim Gartenrotschwanz nur die Handschwingen 3-5. Hybriden haben entweder wie der Gartenrotschwanz gar keine Einbuchtung auf HS 6 oder aber die Einbuchtung ist hier weniger deutlich und kürzer.

Abbildung 9: Gartenrotschwanz (links oben), Hausrostchwanz (links unten) und Hybride (alles ad M). Pfeile: Lage der Einbuchtungen auf den HS 3 bis 6. Beim Gartenrotschwanz ist auf HS 6 keine Einbuchtung vorhanden, beim Hybriden ist lediglich eine schwache Einbuchtung vorhanden. Beachte, dass HS2 beim Hausrotschwanz-Foto durch HS3 und 4 verdeckt ist (man sieht sie durchschimmern).

 

 

 „HS-Spacing“: Beim Gartenrotschwanz sind die Abstände zwischen den Handschwingenspitzen im geschlossenen Flügel regelmässig. Beim Hausrotschwanz ist der Abstand zwischen HS 6 und HS 7 deutlich grösser als zwischen den anderen sichtbaren Handschwingen. Bei Hybriden ist der Abstand zwischen HS 6 und HS 7 zwar grösser als die anderen Abstände, der Unterschied ist aber nicht so deutlich wie beim Hausrotschwanz. Die relativen Abstände können vermessen werden und liefern in der Regel ein eindeutiges Ergebnis. Voraussetzung dafür ist, dass der Vogel in der Hand vermessen werden kann oder aber dass gute Fotos vorhanden sind, bei welchen die Perspektive nicht zu falschen Rückschlüssen führt!

Abbildung 10: Runder Hausrotschwanz-Flügel (16.04.2007, Zuzgen CH) und spitzer Gartenrotschwanz-Flügel (Herbst, Reinach BL CH). Beim Hausrotschwanz haben die HS 3-6 eingebuchtete Aussenfahnen, beim Gartenrotschwanz nur HS 3-5. HS 2 ist beim Hausrotschwanz kürzer  (kürzer als HS 6) als beim Gartenrotschwanz (gleich lang oder länger als HS 6).

 

Quotient zwischen dem Abstand von HS 6 zu HS 7 und HS 5 zu HS 6 gemäss Peterson et al. 2014:

 

Gartenrotschwanz phoenicurus         0.41 – 1.17

Hausrotschwanz gibraltariensis         2.0 – 2.5

Hausrotschwanz phoenicuroides       1.57 – 3.0

Hybriden Haus- x Gartenrotschwanz  0.94 – 2.14

 

 

Abbildung 11: Flügelformel von Gartenrotschwanz, Hybrid (Wenslingen, 2017) und Hausrotschwanz (von links nach rechts) und die relevanten Abstände zwischen der 5. & 6. und 6. & 7. Handschwinge (alles adulte Männchen).

 

 

 

Abbildung 12: Beispiele für die Quotienten zwischen der 6. & 7. und der 5. & 6. Handschwinge; P. p. phoenicurus (0.7), Hybridvogel (1.3), P. o. gibraltariensis (2.2). Bilder:  Reinach CH, 22.04.09; Wenslingen CH, 15.04.15; Muttenz CH, 13.05.10.

 

Gesang

 

Die Gesänge von Garten- und Hausrotschwanz sind deutlich verschieden und leicht von einander unterscheidbar (siehe auch die nachfolgenden Sonogramme).

 

Die Gesänge von östlichen Hausrotschwänzen entsprechen denen der Unterart gibraltariensis, inklusive dem arttypischen Kratzen (Ayé et al. 2012).

 

Tonaufnahmen sowie Sonogramme von singenden Hybriden finden sich im Kapitel 7. Und eine detaillierte Auswertung folgt dann im eingereichten Artikel - ein kleiner Hinweis: das Ergebnis war überraschend! ;-)

 

 

Gesangsbeispiele von Garten- und Hausrotschwänzen zum Vergleich

Abbildung 13: Klassische, dreigeteilte phoenicurus-Gartenrotschwanz-Strophe (Einzelton als Intro mit anschliessendem repetitivem Part gefolgt von einem variablen Abschnitt; Aufnahme aus Bergmann & Helb 2008: Die Stimmen der Vögel Europas).

 

Abbildung 14: Klassische, Hausrotschwanz-Strophe. (Intro mit anschliessenden repetitiv widerholten einfachen Pfiffen oder Pfiffkombinationen, unterbrochen durch das Arttypische „Kratzen“. Hausrotschwänze machen fast immer vor dem Kratzen eine Pause. Im Durchschnitt dauert diese Pause eine knappe Sekunde (Aufnahme aus Bergmann & Helb 2008: Die Stimmen der Vögel Europas).

 

Rufe

 

Die normalen (Kontakt-)Rufe von westeuropäischen Garten- und Hausrotschwänzen sind deutlich verschieden und leicht von einander unterscheidbar. Die Rufe von östlichen Hausrotschwänzen entsprechen denen der Unterart gibraltariensis (Ayé et al. 2012). samamisicus-Gartenrotschwänze sowie zumindest vereinzelt auch Vögel der Nominatform aus Asien rufen deutlich anders als westeuropäische P. p. phoenicurus (Ayé et al. 2014). Sonogramme zu allen Rufformen siehe nachfolgende Abbildungen.

 

Abbildung 15: Hausrotschwanz-Rufe: gibraltariensis (28.03.10, Polen, http://www.xeno-canto.org/93490) & phoenicuroides (13.05.13, Mongolei, http://www.xeno-canto.org/149863)

 

Abbildung 16: Gartenrotschwanz-Rufe; phoenicurus aus Westeuropa (17.05.11, Frankreich; www.xeno-canto.org/270190) und samamisicus (17.04.2011, Kojori Georgien; http://www.xeno-canto.org/299416)

 

Tonaufnahmen sowie Sonogramme von rufenden Hybriden finden sich im Kapitel 7. Zusammenfassend nur schon so viel: Bei den Hybriden (und auch den Mischsängern!!) gibt e Vögel, die rufen wie Gartenrotschwänze, solche die rufen wie Hausrotschwänze, solche, die beide Rufe "draufhaben" und mindestens in einem Fall war ein Ruf irgend etwas "dazwischen"...

 

 

3. Östliche Hausrotschwänze und Gartenrotschwanz-Hausrotschwanz Hybriden

 

 

Hinweise:

Das vorliegende Kapitel ist explizit als Ergänzung zum Artikel in Dutch Birding gedacht! (vorher also lieber den Artikel lesen...;-))

 

Die ganzen Informationen gibts auf auf Englisch auf der Website von Vincent:

https://www.turnstones.org/easten-black-hybrid-redstarts

 

Wie für einen Zeitschriftenartikel üblich, mussten wir uns bei der Wahl der Bilder für den Dutch Birding Artikel  beschränken. Und der Artikel kommt ziemlich kompakt daher. Während unseren Auswertungen haben wir aber eine ganze Menge an Material zusammengetragen. Da der Platz auf unseren Webseiten weniger limitierend ist als in der Zeitschrift,  möchten wir hier ein paar zusätzliche aussagekräftige Beispiele für unsere Ergebnisse zeigen.

 

 

Für besonders Interessierte stellen wir weiter unsere gesamte Datengrundlage zur Verfügung (inkl. Links zu Bildern, wo vorhanden) – wer möchte kann also unsere Schlussfolgerungen hier 1:1 prüfen.

 

 

Hinweis: In der Zwischenzeit haben wir Daten von deutlich mehr Hybriden gefunden und zusammengetragen (die Daten vieler davon werden in einer zweiten Arbeit ausgewertet, vgl. auch Kapitel 5).

 

 

Einen Überblick über alle Nachweise östlicher Hausrotschwänze in Europa wurde ebenfalls bei Dutch Birding (im selben Heft) von Ebels et al. (2018) veröffentlicht.

 

 

3.1. Handschwingen-Spacing

 

Wie im Kapitel 2 ausgeführt, ist das Handschwingen-Spacing eine zentrale Messung bei der Bestimmung von Hybridrotschwänzen. Die Messung wurde und wird aber auch als wichtiges Unterscheidungskriterium zwischen Hybriden und östlichen Hausrotschwänzen benutzt! Siehe hierzu die Publikation von Steijn (2005).

 

Vincent hat nun für alle niederländischen Nachweise von östlichen Hausrotschwänzen die Handschwingen-Spacings berechnet (auf der Grundlage von Fotos!). Das Ergebnis findet ihr in Tabelle 1 – es liefert wichtige Rückschlüsse auf die Verlässlichkeit dieser Messungen für die Unterscheidung von Hybriden und östlichen Hausrotschwänzen. 

 

Wenn man sich die Handschwingen-Spacings mit den Literaturangaben für Hybriden und phoenicuroides Hausrotschwänzen abgleicht, fällt auf, dass nur Vogel 3 ausserhalb des für Hybriden beobachteten Bereichs liegt!!! Dies zeigt unserer Meinung nach zwei Dinge:

 

1. Handschwingen-Spacing ist eine super Methode um Hybriden von den beiden Elternarten unterscheiden zu können, aber alles andere als diagnostisch für die Unterscheidung von Hybriden und phoenicuroides!

 

2. Vorsicht beim Messen von Handschwingen-Spacings auf Fotos! ;-)

Tabelle 1. Angenommene Fälle von östlichen Hausrotschwänzen in den Niederlanden (Stand April 2018), inklusive Angaben zur Anzahl frisch vermauserter Grosser Decken und Primary spacing ratio.  Hinweis: wie gut zu sehen ist, handelt es sich bei der grossen Mehrheit der Nachweise um Jungvögel der paradoxus-Morphe.

 

3.2 Zusätzliche Bilder: phoenicuroides

 

Auf den folgenden Bildern sind die typischen phoenicuroides Merkmale jeweils markiert. Erklärungen zu den einzelnen Merkmalen siehe DB Artikel.

 

Abbildung 17: Östlicher Hausrotschwanz, 2KJ Männchen. Barendrecht, Zuid-Holland, Niederlande, 14. 10.2017 (Peter Soer). Derselbe Vogel wie auf Abb. 193 im DB-Artikel. Beachte die folgenden Pro-phoenicuroides Merkmale: A: kein weisses Flügelfeld; B: grauer Rücken; keine rostroten Säume auf den Grossen Decken; C: (sehr) wenig Weiss auf der Stirn; D: Oranges Dreieck zwischen Brustlatz und Flügel.

 

Abbildung 18: Östlicher Hausrotschwanz, 2KJ Männchen. Terschelling, Friesland,  Niederlande, 5.11.5.2016. V. van der Spek. Beachte die Werte für das Handschwingen-Spacing (ca.1: 1.7), der sichtbare Teil von HS 6 ist deutlich länger als der von HS5. Gut zu sehen sind auch die beiden unterschiedlichen Generationen der Grossen decken: die beiden inneren (länger, mit grauen Rändern) sind adult, die kürzeren mit beigen Rändern stammen noch aus dem Jugendgefieder.

 

3.3. Zusätzliche Bilder: Hybriden Teil 1
Die folgenden Bilder zeigen Hybriden, die auch im DB Artikel abgebildet sind – allerdings aus anderen Blickwinkeln.

 

Abbildung 19: Hybrid, Leusden, the Netherlands, 14 April 2010 (Rutger Wilschut). Derselbe Vogel wie auf Abb. 196 im DB-Artikel. Der Bereich im Dreieck ist grau und nicht orange -> ein diagnostisches Merkmal für Hybriden resp. gegen phoenicuroides! Rund 50% aller Hybriden lassen sich auf diese Weise einfach von phoenicuroides unterscheiden.

 

Abbildung 20: Hybrid, Leusden, the Netherlands, 14 April 2010 (Rutger Wilschut). Nochmals derselbe Vogel wie auf Abb. 196 im DB-Artikel. Der Brustlatz ist alles andere als scharf abgegrenzt, es hat dunkle Flecken auf dem Bauch und einen weisser Bereich in der Bauchmitte -> alles gute „pro-Hybrid“ Merkmale.

 

Abbildung 21: Hybrid Männchen, Hilchenbach, Nordrhein-Westfalen, Deutschland, 27.04.2012 (Michael Frede). Derselbe Vogel wie auf Abb. 195 im DB-Artikel. Durch die folgende Merkmalskombination lässt sich ein östlicher Hausrotschwanz klar ausschliessen: A deutlicher weisser Flügelspiegel; B viel weiss auf der Stirn (aber nicht ausserhalb der Variationsbreite von phoenicuroides); C kein oranges Dreieck (diagnostisch).

 

Abbildung 22: Hybrid Männchen, male, Baden-Württemberg, Deutschland, 31.03.2013 (Daniel Kratzer). Derselbe Vogel wie auf Abb. 197 im DB-Artikel. Beachte: A vsehr kleiner Brustlatz, kaum grösser als bei einem Gartenrotschwanz und womöglich zu klein für phoenicuroides und B diagnostisches weisses Band, welches die orange Bereiche auf Brust und Bauch „aufteilt“.

 

3.4. Zusätzliche Bilder: Hybriden Teil 2
Die folgenden Bilder zeigen Vögel, die wir für den Artikel ausgewertet haben, sie sind im DB Artikel aber nicht abgebildet.

 

Abbildung 23: Hybrid Männchen, Teufen, CH, 26.08. 2017 (Levi Fitze).  Beachte: A dunkles Dreieck; B undeutliche Abgrenzung des Brustlatzes, C schwach gefärbte Unterseite und D weisses Band auf dem Bauch à all diese Merkmale sprechen für einen Hybriden.

 

Abbildung 24: Hybrid Männchen, Sursee, CH, 23.03.2003 (Simon Birrer). Beachte: A undeutliche Abgrenzung des Brustlatzes  und dunkle Flecken auf dem Bauch und B auffälliges weisses Band auf dem Bauch. 

 

3.5. Zusätzliche Bilder: Hybriden Teil 3
Und hier gibst ein paar brandaktuelle Bilder von sicheren und möglichen Hybriden, die wir im DB Artikel nicht ausgewertet hatten!

 

Abbildung 25: Hybrid Männchen, Frankreich, 29.03.2018 (Antoine Salmon). In dieser Ansicht könnte der Vogel auch als Gartenrotschwanz durchgehen. Beachte aber: B schwache Einbuchtung auf HS6; C sehr schwach gefärbte Unterseite.

Abbildung 26: Derselbe Vogel wie auf der vorherigen Abbildung. Die folgenden Merkmale schliessen phoenicuroides aus:  A sehr helle Unterseite, B weisses Band auf dem Bauch; C weisse Unterschwanzdecken.

 

Abbildung 27: Hybrid Männchen, Stramproy, Niederlande, 17.05.2017 (Ruud van Dongen). Der Vogel fiel im Feld durch seinen Mischgesang auf (Tonaufnahme hier). Schon dies allein spricht natürlich klar für einen Hybriden und gegen phoenicuroides. Weitere Hinweise geben die folgenden Merkmale: A Weissausdehnung an der Unteren Grenze für einen Gartenrotschwanz; B Kehllatz zu gross für einen Gartenrotschwanz (für phoenicuroides aber im Bereich des Möglichen); C ausgedehnt heller Bauch, klar heller als Brust; D helle Unterschwanzdecken. Durch die beiden letzten Merkmale lässt sich phoenicuroides klar ausschliessen.

 

Abbildung 28: Hybrid-Männchen (adult), Subiger Berg CH, 17.09.1993 (T. Schwaller).  Die folgenden Merkmale sprechen klar gegen phoenicuroides: Schwarze und orange Federn auf den Unterflügeldecken; ausgedehnter Brustlatz inkl. dunklem Dreieck; unregelmässige Abgrenzung des Brustlatzes.

Soweit so gut – wir hoffen, euch mit diesem Zusatzmaterial ein paar weitere Eindrücke zu diesem spannenden Thema gegeben zu haben.

 

 

5. Häufigkeit von Mischsängern und Hybriden

 

Nun geht’s wieder weg von den Ausnahmeerscheinungen und wir befassen uns wieder mit den (zumindest in der Schweiz) deutlich häufigeren Hybriden und Mischsängern...;-)

 

 

Häufiger als phänotypische Hybriden werden Gartenrotschwanz-Mischsänger beobachtet. Dabei handelt es sich um äusserlich normal gefärbte Gartenrotschwänze, welche jedoch ausschliesslich oder alternierend den Gesang der anderen Art vortragen. Mehrheitlich wird vermutet, dass es sich dabei um „normale“ Gartenrotschwänze handelt, welche einfach den Hausrotschwanzgesang imitieren (was dann, wenn sie erfolgreich ein Hausrotschwanz-Weibchen von sich überzeugen, natürlich zu Hybridnachkommen führen würde). Es könnte aber auch sein, dass es sich bei Mischsängern schon um Hybriden oder, wahrscheinlicher, um Nachkommen von Hybriden handelt. Dafür spricht die Beobachtung eines Mischsängers, welcher eindeutig wie ein Hausrotschwanz rief. Während der Gesang nämlich sowohl aus vererbten als auch erlernten Komponenten besteht, gelten Rufe in der Regel als genetisch fixiert (vgl. z. B. http://ornithology.com/ornithology-lectures/songs-calls/).

 Mehrfach wurde vermutet, dass Mischsänger und Hybriden häufiger geworden sind (z.B. Blattner & Kestenholz 1993, Nicolai et al. 1996). Ein plausibler Grund könnte der starke Rückgang des Gartenrotschwanzes nach den 1960er Jahren sein. Dadurch könnte eine Situation ähnlich wie bei einer Arealgrenze auftreten, was vermehrt zu Mischbruten führen könnte. Dazu passt, dass die meisten Mischpaare aus Gartenrotschwanz-Männchen und Hausrotschwanz-Weibchen bestehend (Droz 2011). Anderseits vermuten Berthold et al. (1996) und Ertan (2002), dass die beiden Arten bereits früher öfters hybridisierten und dass sogar ein regelmässiger Genfluss zwischen den beiden Arten besteht.

 

In der Folge ein sehr grober (!!!) Versuch, die Häufigkeit von Mischsängern und Hybriden für die Nordwestschweiz und die Schweiz zu quantifizieren:

 

Eigene Beobachtungen aus der Nordwestschweiz: Insgesamt haben wir in den letzten 10 Jahren über > 500 Beobachtungen singender Männchen in der Nordwestschweiz gemacht (Schwerpunkt BL, BS, SO). Diese Beobachtungen dürften deutlich mehr als 200 verschiedenen Individuen entsprechen (Annahme: ca. 100 verschiedene Reviere, jährliche Überlebensrate adulter Gartenrotschwänze von ca. 60%; vgl. Menzel 1971).  Insgesamt haben wir dabei einmal einen Mischsänger festgestellt. Zusätzlich haben wir aus der berücksichtigten Region in diesem Zeitraum von Drittpersonen dreimal von einem Mischsänger und einmal von einem Hybriden erfahren. Bei einer (konservativen) Annahme von 200 gehörten Gartenrotschwanz-Männchen,  1-3 Mischsängern und 0-1 Hybriden, würde der Anteil an Mischsängern zwischen 0.5 und 1.5% liegen, der Anteil an Hybriden zwischen 0 und 0.5%.

 

Mischsänger und Hybriden auf ornitho.ch: Eine Datenabfrage bei www.ornitho.ch für die Jahre 2000-2015 mit den nachfolgenden Suchbegriffen in den Bemerkungen ergab total 29 Treffer (Stand der Abfrage 15.06.2015). Suchbegriffe bei Suchen unter Gartenrotschwanz: «Hybrid», «Misch», «Hausrotschwanz» / «Rougequeue noir». Suchbegriffe bei Suchen unter Hausrotschwanz: «Hybrid», «Misch», «Gartenrotschwanz»  / «front blanc» . Die 29 Treffer lassen sich gemäss den Angaben unter den (nicht überprüften) Bemerkungen der Beobachter wie folgt auftrennen:

Mischsänger (Phänotyp Gartenrotschwanz)    14

Gartenrotschwanz imitiert Hausrotschwanz     5 *

Hybrid                                                               8

Unklar                                                               2

 

* Bei diesen 5 Individuen ist anhand der Angaben nicht klar, ob es sich um echte Mischsänger oder um „normale“ Sänger handelt, welche im variablen dritten Gesangspart den Hausrotschwanz imitieren.

Abbildung 29: Mischsänger, Laufen CH, 21.04.2016. Tonaufnahme hier: http://www.xeno-canto.org/328197

 

6. Beobachtungen von Hybridvögeln (Drittmeldungen)

 

6.1. Bisherige Nachweise

 

Für eine zweite Publikation haben wir im grossen Stil Hybridmeldungen zusammengetragen und ausgewertet. Insgesamt sind so 121 Hybriden zusammengekommen. Sobald die Publikation veröffentlicht ist, werden wir hier eine Tabelle aller Nachweise hochschalten (inkl. Links wo vorhanden).

 

 

6.2. Neue Nachweise

 

Und hier sollen nach und nach neue Meldungen gesammelt werden – meldet euch also, wenn ich einen Hybriden beobachtet habt!

 

2018, Eifel, Deutschland:

https://www.youtube.com/watch?v=IzDAmdVFanEhttps://www.youtube.com/watch?v=ufLOYHe6HBU

 

 

 

7. Eigene Beobachtungen von Mischsängern und Hybriden

 

In der Folge finden sich ausführliche Dokumentationen von Mischsängern und Hybriden, die wir in den letzten Jahren selber beobachtet haben.

 

7.1. Hybrid-Rotschwanz Wenslingen BL (Schweiz)

 

Beobachtungen

-        2013: Entdeckt durch H. Hersberger (22.04.13) und in der Folge nochmals am 08.06.13 beobachtet

-        2014: Wiedergefunden durch H. Hersberger (29.04.14) und in der Folge nochmals am 02.06.14 beobachtet. Fotobelege erstellt.

-        2015: Wiedergefunden durch N. Martinez (15.04.2015), in der Folge durch H. Hersberger am 16.04.15 und 07.05.15 beobachtet. Fotobelege und Tonaufnahmen erstellt.

 

Beschrieb

Phänotyp:

-        Phänotypisch ein "typischer" Rotschwanz-Hybrid

-        Weisser Flügelspiegel bestehend aus weissen Rändern der Armschwingen, gegen Basis breiter, werdend. Vergleichbar mit ad Hausrotschwanz Männchen, jedoch weniger deutlich.

-        Schwärzlicher Rücken und Mantel und Oberkopf

-        Kontrast Oberkopf – Kehllatz intermediär im Vergleich zu Garten- und Hausrotschwanz

-        Stirn hellgrau, nicht gleich scharf abgegrenzt wie Gartenrotschwanz

-        Kehllatz tiefschwarz, weit nach unten reichend, auf der Seite bis auf die Höhe der Achseln schwarz

-        Starke Rotfärbung auf Brust und Bauch und aufgehellte Stelle zwischen den Beinen, Rotfärbung selber aber nicht intensiver wirkend als bei Gartenrotschwanz

-        Achselfedern und Unterflügeldecken orange

-        Beinfedern beige

-        HS-Spacing 6/7:5/6 = 1.3 (-> pro Hybrid)

-        Nicht gesehen: Emargination der HS

 

Rufe:

-        Rufe: Hausrotschwanz-ähnlich; gleichbleibend hohe Rufe, „tschak“-Rufe und Aggressionsrufe (keine Aufnahmen vorhanden)

-        Reaktion: scheint auf Haus- und Gartenrotschwanz-Rufe zu reagieren

 

Gesang:

-        Gesang: weitgehend analog Hausrotschwanz, keine Mischformen oder Gartenrotschwanz-ähnliche Strophen gehört

-        Reaktion: scheint auf Haus- und Gartenrotschwanz-Gesang zu reagieren

 

Abb. 30: Hybridrotschwanz 2014. Aufnahmen: H.Hersberger, 02.06.2014.

 

Abb. 31: Hybridrotschwanz 2015 (Aufnahmen: NM, 15.04.2015).

 

Abb. 32: Hybridrotschwanz. Das Handschwingen-Spacing ist typisch für einen Hybriden (Aufnahmen: NM, 15.04.2015).

 

Abb. 33:  Strophe, bestehend aus einem typischen HAR-Beginn und einem Triller (Aufnahme: 15.4.15, http://www.xeno-canto.org/305979)

Abb. 34:  Strophe, bei der das Intro aus einem Kratzen besteht  (Aufnahme:  15.4.15, http://www.xeno-canto.org/305981)

Abb. 35:  Strophe mit integriertem Kratzen analog HAR (Aufnahme: 15.4.15, http://www.xeno-canto.org/305982)

Abb. 36:  Strophe mit integriertem Kratzen analog HAR. Gesangsstruktur idenisch mit HAR-Strophe auf Abb. 3 (Aufnahme: 15.4.15, http://www.xeno-canto.org/305983)

2017 ist dann wieder ein Hybridrotschwanz aufgetaucht (vgl. Kap. 7.1)! Der Vogel wurde am 30.5. im genau gleichen Revier wie 2013-15 von H. Hersberger entdeckt und konnte am 1.6. gefangen werden. Ist es derselbe? Oder eine Rückkreuzung mit einem Hausrotschwanz? Hier ein paar Bilder, ein Sonagramm und ein Link zu zwei Tonaufnahmen:

http://www.xeno-canto.org/373273

http://www.xeno-canto.org/373855

 

7.2. Rotschwanz Mischbrut Ziefen BL (Schweiz)

 

Beobachtungen 2014

-        2014: Entdeckt durch S. Hohl (03.05.2014). Mehrfach beobachtet durch S. Hohl, 1 x mit N. Martinez (15.05.2014). Wahrscheinlich unverpaart.

 

Beobachtungen 2015

-        Entdeckt durch A. Fasolin. Mehrfach beobachtet durch A. Fasolin und I. Wennberg

-        Tonaufnahmen des Gesangs und der Rufe (1x) erstellt, Bilder & Videobelege.

-        Verpaart mit phänotypischem Hausrotschwanz-Weibchen, ziehen zwei erfolgreiche Bruten auf

-        Erstbrut: 5 Junge, Ausflugsdatum unbekannt

-        Zweitbrut: Nestbaubeginn 19.06.15, Anzahl Junge und Ausflugsdatum unbekannt, Eischalen weiss

-        Beide Bruten in selben Storenkasten auf einem Balkon

-        Kotproben der Jungen (Erst- und Zweitbrut) gesammelt für genetische Analysen, Analysen jedoch nicht erfolgreich

 

Beschrieb Männchen 2014

Phänotyp :

-        phänotypisch ein ganz normales Gartenrotschwanz-M, wahrscheinlich 2KJ (bräunliche HS, hellbraune Ränder auf den AS, HS und wohl auch den GD)

-        kein Weiss im Flügel (ungleich Hausrotschwanz oder samamisicus-Gartenrotschwanz)

-        eher dunkler Rücken

-        starke Rotfärbung auf Brust und Bauch (kaum aufgehellt zwischen den Beinen), Farbe selber aber nicht intensiver wirkend als bei anderen Gartenrotschwänzen

-        nicht gesehen: HS-Projektion, Emargination der HS, Achselfedern

 

Rufe

-        15.05.: 2 Rufreihen gehört. Klingt wie Hausrotschwanz-Rufe („hiit – tschak“) und nicht wie Gartenrotschwanz

-        Reaktion: scheint auf Haus- und Gartenrotschwanz-Rufe zu reagieren

 

Gesang:

-        Gesang: z.T. 100% Gartenrotschwanz, z.T. 100% Hausrotschwanz sowie diverse Mischformen

-          Reaktion: scheint auf Haus- und Gartenrotschwanz-Gesang zu reagieren

 

Beschrieb Männchen 2015

Phänotyp:

-        phänotypisch ein ganz normales Gartenrotschwanz-M, Adultvogel (GD mit weissen Seitenrändern, nur Spitzen bräunlich), vgl. Abb.14

-        beige AS-Ränder, aber nicht wirklich Weiss im Flügel (ungleich Hausrotschwanz oder samamisicus-Gartenrotschwanz). Frisch vermauserte AS Ende Juli ebenfalls ohne auffallend helle Ränder (vgl. Abb. 15).

-        eher dunkler Rücken

-        HS-Spacing: Wert = 0.75 (-> pro Gartenrotschwanz)

-        Einbuchtungen auf den HS 3, 4, 5, keine Einbuchtungen auf HS 6 (-> pro Gartenrotschwanz)

 

Rufe

-        1 Einzelruf im vorhandenen Video: Identisch Hausrotschwanz-Ruf („hiit“) und nicht wie Gartenrotschwanz, Tonhöhe ebenfalls analog Hausrotschwanz. Da Rufe generell als genetisch fixiert gelten (anders als der Gesang), könnte dies auf einen Hausrotschwanz-Einfluss (Hybride) deuten.

 

Gesang:

-        Gesang meistens Mischformen

 

Beschrieb Weibchen 2015

Phänotyp:

-        phänotypisch ein ganz normales Hausrotschwanz-Weibchen

 

Rufe

-        Typische HAR-Rufe („hiit“)

 

Beschrieb Jungvögel 2015

Phänotyp Jungvögel Erstbrut:

-        phänotypisch ganz normale Hausrotschwanz-Junge.

 

Rufe

-        Typische Hausrotschwanz-Bettelrufe („zi-trr“).

 

Abb. 37: Fütterndes Männchen. GD mit grauen Seitenrändern (-> AD). AS mit beigen Rändern. Die Färbung der Jungvögel entspricht typischen Hausrotschwanz-Jungen (Aufnahme A. Fasolin).

Abb. 38: Männchen beim Füttern der Zweitbrut (und bereits am mausern). GD mit grauen Seitenrändern (-> adult). Frische AS ohne weisse Ränder. Das Handschwingen-Spacing (Wert= 0.75) ist typisch für einen Gartenrotschwanz (Aufnahme A. Fasolin).

Abb. 39 & 40: Männchen. Emarginations auf den HS 3, 4 und 5. Keine Emargination auf HS 6 (-> pro Gartenrotschwanz; Aufnahmen A. Fasolin).

Abb. 41 & 42: Weibchen und Jungvögel. Von der Färbung her typische Hausrotschwänze, Aufnahmen A. Fasolin).

Abb. 43 & 44: Gartenrotschwanz-Jungvogel und Hausrotschwanz-Jungvogel zum Vergleich.

Abb. 45: „Klassische GAR-Strophe“. Zwischen Intro und „repetitivem Teil“ ist ein Zwischenpfiff eingeschoben (Aufnahme S. Hohl, 3.5.14, http://www.xeno-canto.org/306000).

Abb. 46: „Klassische Gartenrotschwanz-Strophe“. Zwischen Intro und „repetitivem Teil“ ist kein Zwischenpfiff eingeschoben, der variable Part fehlt (Aufnahme S. Hohl, 3.5.14, http://www.xeno-canto.org/306002).

Abb. 47: „Klassische Gartenrotschwanz-Strophe“ analog Abb. 4. Zwischen Intro und „repetitivem Teil“ ist kein Zwischenpfiff eingeschoben, der variable Part fehlt (Aufnahme: NM, 15.5.14, http://www.xeno-canto.org/305995).

Abb. 48: „Klassische Gartenrotschwanz-Strophe“ (Aufnahme S.Hohl, 3.5.14, http://www.xeno-canto.org/306002).

Abb. 49:  Strophe, bei der das Intro aus einer Mischung zwischen Kratzen und Pfiff besteht  (Aufnahme: S.Hohl, 3.5.14, http://www.xeno-canto.org/306000).

Abb. 50:  Strophe, bei der das Intro aus einem Kratzen besteht  (Aufnahme: S. Hohl, 3.5.14, http://www.xeno-canto.org/306000).

Abb. 51:  Strophe mit integriertem Kratzen analog Hausrotschwanz  (Aufnahme: S. Hohl, 3.5.14, http://www.xeno-canto.org/306000).

Abb. 52:  Strophe mit integriertem Kratzen analog Hausrotschwanz. Ein Gartenrotschwanz-ähnliches Intro fehlt resp. ist durch drei Doppeltöne ersetzt. Eine Pause vor dem Kratzen fehlt (Aufnahme: S. Hohl, 3.5.14, http://www.xeno-canto.org/306000).

Abb. 53:  Strophe mit integriertem Kratzen analog Hausrotschwanz. Gesangsstruktur identisch mit einer typischen Hausrotschwanz-Strophe. (Aufnahme: S. Hohl, 10.5.14, http://www.xeno-canto.org/306010).

Abb. 54: Männchen 2015, Ruf (Video-Aufnahme A. Fasolin, http://www.xeno-canto.org/306014).

Abb. 55: Weibchen 2015, Ruf (Aufnahme A. Fasolin, http://www.xeno-canto.org/306017).

Abb. 56: Jungvogel Erstbrut 2015 Ruf (Aufnahme A. Fasolin, http://www.xeno-canto.org/306021).

Abb. 57: Zum Vergleich Sonogramme von Jungvogel-Rufen von Haus- und Gartenrotschwanz (Glutz von Blotzheim 1988, https://www.youtube.com/watch?v=O3sIahj2wcs).

 

7.3. Rotschwanzbrut Therwil BL (Schweiz)

 

Beobachtungen 2011

 

-        Am 14.05.2011 wird von N. Martinez ein mehrfach fütterndes Gartenrotschwanz-Männchen beobachtet. Das Nest mit 2 rund 10 Tagen alten Jungen befindet sich im inneren eines Stalles frei auf einem Balken. Die jungen entsprechen äusserlich Hausrotschwänzen, im Nest befindet sich noch ein taubes, weissschaliges Ei. Ein Weibchen ist zu keinem Zeitpunkt zu sehen. Aufgrund der Eifärbung und der Jungen kann davon ausgegangen werden, dass es sich um ein Hausrotschwanz-Weibchen handelt.

-        Am 15.05.2011 ist das Männchen nicht mehr anwesend, im Nest befindet sich ein totes Jungtier.

-        Ei und Jungtier werden in der Folge aufbewahrt.

 

Beschrieb Männchen

-        Typischer Gartenrotschwanz. Fotoqualität und Dauer der Beobachtung lassen keine weiteren Rückschlüsse zu.

 

Beschrieb der Jungvögel (Pulli)

-        Oberseite dunkelbraun, ungestrichelt

-        Brust dunkelbraun, undeutlich und unauffällig gestrichelt

-        Bauch deutlich aufgehellt orange-gelblich, ohne klare Strichel

-        Typischer rostroter Rotschwanz-Schwanz, Bürzel und Unterschwanzdecken

-     Flügel: Da die Federn noch nicht ausgewachsen sind, sind die Abstandsverhältnisse nicht aussagekräftig. Die Einbuchtungen sind ebenfalls noch nicht fertig ausgeprägt.

-     Phänotypisch "normale" Hausrotschwanz-Junge

 

Beschrieb Ei

-        Weiss, die leicht bräunliche Sprenkelung ist durch Verschmutzung bedingt

-        Masse: 19.4 x 14.4 mm. Vergleichswerte: Mittelwert Gartenrotschwanz = 18.5 x 14.0 mm (versch. in Menzel 1971 erwähnte Quellen) und Hausrotschwanz = 19.86 x 14.62 mm (Glutz von Blotzheim 1988).

-      Typisches Hausrotschwanz-Ei

 

Abb. 58: Gartenrotschwanz-Männchen mit Futter.

Abb. 59: Rotschwanz-Nest mit zwei Jungvögeln.

Abb. 60: taubes Rotschwanz-Ei mit weisslicher Schale analog einem Hausrotschwanz. Die rötlichen Flecken beruhen auf Verschmutzungen.

Abb. 61-63: Gartenrotschwanz-Jungvogel, einer der Jungvögel aus dem Nest in Therwil und Hausrotschwanz-Jungvogel (von links nach rechts).

Abb. 64-66: Bauchansicht der Therwiler Jungvögel und eines Gartenrotschwanz-Jungen (rechts) zum Vergleich.

Abb. 67: Handschwingen eines der Jungvögel. Da die Federn noch nicht ausgewachsn sind, sind die Abstandsverhältnisse nicht aussagekräftig. Die Einbuchtungen sind ebenfalls noch nicht fertig ausgeprägt.

 

7.4. Mischsänger Allschwil BL (Schweiz)

 

Beobachtung

-        Am 12.05.2010 bemerkt N. Martinez einen Gartenrotschwanz, der regelmässig kratzende Hausrotschwanz-Gesangselemente vorträgt.

 -       Während der mehrminütigen Beobachtung singt der Vogel ununterbrochen. Meistens handelt es sich um normale Gartenrotschwanz-Strophen, vereinzelt werden jedoch Mischstrophen oder gesamte Hausrotschwanz-Strophen geäussert.

 -        Phänotypisch entspricht der Vogel einem normalen Gartenrotschwanz

 -        Fotos und Tondokumente sind keine vorhanden

 -        Auf späteren Exkursionen ist der Vogel nicht mehr zu finden

 -        Habitat: Obstgarten (typisches Gartenrotschwanz-Habitat; in der unmittelbaren Umgebung befinden sich weitere Gartenrotschwanz-Reviere)

 

7.5. Mischsänger Laufen BL (Schweiz)

 

 

Beobachtung

 

-        Am 17.04.2016 entdecken T. Walser und J. Borer einen Gartenrotschwanz-Mischsänger.

 

-        Der Vogel ist auch am 20.04. und 3.5. am selben Ort anwesend und praktisch pausenlos am singen (NM) à unverpaart?

 

-        Mehrfach werden aggressive Interaktionen mit Hausrotschwänzen beobachtet.

 

-        Habitat: Villenquartier, typisches HAR-Habitat, für GAR aber durchaus auch denkbar

 

 

Beschrieb

 

Phänotyp:

 

-        phänotypisch ein ganz normales Gartenrotschwanz-M, wahrscheinlich 2KJ (bräunliche HS, hellbraune Ränder auf den AS, HS)

 

-        kein Weiss im Flügel (ungleich Hausrotschwanz oder samamisicus-Gartenrotschwanz)

 

-        nicht gesehen: HS-Projektion, Emargination der HS, Achselfedern

 

 

Rufe

 

-        03.05.: 2 Rufreihen gehört. Klingt wie Gartenrotschwanz-Rufe („huit – tschak-tschak“) und nicht wieHausrotschwanz („hit-tschak“)

 

-        Reaktion: reagiert weder auf Hausrotschwanz noch Gartenrotschwanz-Rufe (Playback), mehrfach jedoch Aggressionen mit Hausrotschwänzen beobachtet

 

 

Gesang:

 

-        Gesang: zu über 90% wie Hausrotschwanz-Kurzversion (Teil bis zum Kratzen, ohne Kratzen), Hausrotschwanz-Strophen mit Kratzen am 20.4. innert ca. 30 min 2 x, am 3.5. innert 10 min. ca. 3x vernommen. Gartenrotschwanz-ähnliche Strophen nur am 20.4. gehört (2-3), dort aber Anfangspfiff nicht Gartenrotschwanz-typisch (u.a. 1x Hausrotschwanz-Ruf), Mischformen nicht bemerkt/gehört.

 

-        Reaktion: reagiert weder auf Hausrotschwanz- noch Gartenrotschwanz-Gesang (Playback)

 

 

Tonaufnahme & Sonogramm:

http://www.xeno-canto.org/328197

Gartenrotschwanz-Mischsänger, Laufen BL. 20. April 2016.
Gartenrotschwanz-Mischsänger, Laufen BL. 20. April 2016.

 

8. Quellen / Literatur

 

Ayé, R.; Schweizer, M.; Roth, T., 2012: The Birds of Central Asia. Helm Field Guides.

 

Ayé, R.; Martinez, N.; Stalling, T., 2014: The vocalisations of „Ehrenberg’s Redstart“. British Birds 107: 26-36.

 

Berthold, P., 1996: Control of bird migration. Chapman & Hall.

 

Blattner, M.; Kestenholz, M., 1993: Brut eines wahrscheinlichen Hybriden Haus- x Gartenrotschwanz Phoenicurus ochruros x P. phoenicurus in der Schweiz. Ornithol. Beob. 90: 241-245.

 

Droz, B., 2011: Capture d’un Rougequeue hybride Phoenicurus ochruros x Ph. phoenicurus au Col de Jaman (VD, Suisse). Nos Oiseaux 58: 185-191.

 

Ebels, E B, van der Laan, J, van der Schalk, M & van der Spek, V 2018. Oosterse Zwarte Roodstaarten in Nederland en voorkomen in Europa. Dutch Birding 40: 152-166.

 

Ertan, K. T., 2002: Evolutionary Biology oft he genus Phoenicurus. Phylogeography, natural hybridisation and population dynamics. Tectum Verlag, Marburg.

 

Glutz von Blotzheim, U. N., 1988: Handbuch der Vögel Mitteleuropas Band 11/1. Aula Verlag Wiesbaden.

 

Menzel, H., 1971: Der Gartenrotschwanz Phoenicurus phoenicurus. Neue Brehm Bücherei Nr. 438, A. Ziemsen Verlag. Wittenberg Lutherstadt.

 

Nicolai, B.; Schmidt, Ch.; Schmidt, F-U., 1996: Gefiedermerkmale, Masse und Alterskennzeichen des Hausrotschwanzes Phoenicurus ochruros. Limicola 10: 1-41

 

Perez-Garcia, J.M.; Sallent, A., 2011: Identificacion de hibridos en el Campo: El caso del anillamiento de un hibrido de Colirrojo tizon (Phoenicurus ochruros) y Colirrojo real (Phoenicurus phoenicurus) en el P. N. del Archipielago de Cabrera. Revista de Anillamiento 28: 30-35

 

Petersson A. ; Bergner, A.; Thorin, M.,2014: A hybrid Common Redstart x Black Redstart (Phoenicurus phoenicurus x P. ochruros) breeding in southeastern Sweden. Ornis Svecica 24: 35-40.

 

Small, B.J., 2009: The identification of „Ehrenberg’s Redstart, with comments on British claims. British Birds 102: 84-97.

 

Steijn, L.B., 2005: Eastern Black Redstarts at IJmuiden, the Netherlands, and on Guernsey, Channel Islands, in October 2003, and their identification, distribution and taxonomy. Dutch Birding 27: 171-194

 

9. Dank

 

Vielen Dank an die alle Personen die uns Hybriden und Mischsänger gemeldet, uns Bilder zur Verfügung gestellt und uns wertvolle Rückmeldungen gegeben haben!